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Von Innsbruck zum Achensee

6 Tage durch’s Karwendel

01.07.2026

Ende 2025 wurde ich gefragt: „hast Du nicht eine Empfehlung für uns für eine Mehrtagestour in den Alpen, so von Hütte zu Hütte?“ und meine spontane Antwort war: „klar doch, mehr als eine!“. Aber auf meine Nachfragen bzgl. Bergerfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit bekam ich zur Antwort: „Äh, ja, zwei waren noch nie in den Alpen unterwegs, und zwei haben Höhenangst.“ Super, beste Voraussetzungen die fünf allein auf unsere Bergwelt loszulassen. Also konnte ich gar nicht anders, ich habe der Gruppe angeboten, für sie die Tour zu organisieren und auch zu führen. Voraussetzung: alle werden Mitglied in unserer Sektion. Gemacht, getan. Die Idee für diese außerplanmäßige Sektionstour war geboren.

Ausgangspunkt der Tour war Innsbruck, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sprich der ÖBB bestens zu erreichen. Vom Hauptbahnhof ging’s dann erstmal gemütlich durch die Innsbrucker Altstadt, Sightseeing inklusive, hoch zur Hungerburg, der ersten Zwischenstation der Nordkettenbahn. Den kompletten Anstieg wollte ich der Gruppe am ersten Tag und nach der lagen Anreise ersparen, aber wofür hat man auch die Seilbahnen erfunden. Genau, um schnell und ohne große Anstrengung an Höhe zu gewinnen. Ziel: das Hafelekar (mit gefühlt 1.000 anderen Individualisten). Vom Hauptbahnhof bis zur Hungerburg sind es ja erstmal auch schon knappe 6 km und 360 hm. Und unser erstes Ziel, die Pfeishütte, war vom Hafelekar auch noch mal ca. 6 km entfernt. Also für den ersten Tag schon mal eine ordentliche Etappe. Der Blick vom Hafelekar auf Innsbruck war für die Alpenneulinge schon mal ein erstes Highlight, wobei die beiden mit Höhenangst, na ja, sagen wir mal, die Aussicht nicht so wirklich genießen konnten.  Das wurde dann aber im Laufe der Tour zum „running gag“ – „mir geht’s prima, ich kann Innsbruck nicht mehr sehen!“. 

Am zweiten Tag wurde es dann für alle deutlich anstrengender, sowohl körperlich als auch mental. Es ging von der Pfeishütte über das Stempeljoch ins Geröll der Stempelriesen. Was für ein rutschiger, steiler Abstieg. Die erste Prüfung für die Neulinge, aber wenn auch langsam, alle kamen am Ende des Geröllfelds heil und unversehrt an. Das war das entscheidende. Weiter ging es dann durch Latschengelände weitestgehend auf gleichem Niveau am Fuße des Großen Lafatschers zum Lafatscher Joch auf 2.081 m und von hier aus, oh Graus, nochmals durch ein rutschiges Geröllfeld bis zum Hallerangerhaus. Auch wenn wir für die Strecke von gut 8,5 km statt der geplant 3 ½ h knappe 6 h gebraucht hatten, alle waren glücklich und zufrieden. Und das Bier auf der Hüttenterrasse schmeckte allen besonders gut. Hatten wir doch an diesem Tag ordentlich geschwitzt, nicht aus Angst, sondern auf Grund der hohen Temperaturen. Das schöne Wetter sollte und bis auf zwei kurze Ausnahmen auch den Rest der Tour begleiten.

Die dritte Etappe wurde, das war schon von vorneherein klar, zur Königsetappe. Ziel war nämlich das Karwendelhaus, das nur auf zwei Wegen vom Hallerangerhaus aus zu erreichen ist. Über den Schlauchkarsattel (mit leichter Kletterei und vor allem mit ordentlich Höhenmetern, dafür mit 14,5 km „relativ kurz“) oder aber über Scharnitz und die Karwendeltäler, technisch nicht anspruchsvoll, aber mit 23 km deutlich länger. Selbst wenn der Schlauchkarsattel eine valide Option gewesen wäre, die Wettervorhersage mit starken Wärmegewittern gegen Mittag nahm uns die Entscheidung ab. Es ging erstmal knapp 600 hm runter bis zur Kastenalm, dann mit dem Hüttentaxi aus dem Tal raus bis zum Anfang des Karwedelstegs (hier überraschte uns dann auch tatsächlich das Gewitter) und durch die Karwendeltäler bei strahlendem Sonnenschein wieder hoch zum Karwedelhaus, was neben der Strecke auch gut 900 hm im Anstieg bedeutete. Entsprechend platt, aber überglücklich war die Gruppe dann auch am Ende. 

Nach diesem doch anstrengenden dritten Tag war „Erholung“ angesagt. Vom Karwendelhaus ging es „nur“ bis zur Falkenhütte, mit 9,5 km, 600 hm im Anstieg und 525 hm im Abstieg also „total entspannt“. Auch heute gab es zu Anfang erstmal eine Gratisdusche, erst gegen Mittag brach die Sonne durch und trocknete schnell unsere Regenbekleidung. Den halben Tag konnten wir also im Liegestuhl bei strahlendem Sonnenschein und traumhaften Ausblick auf die umliegenden Gipfel genießen. Natürlich bei dem ein oder anderen isotonischen Getränk versteht sich. 

Heute, am fünften Tag, wurde es dann aber nochmals etwas sportlicher. Von der Falkenhütte aus ging es erstmal in Richtung Spielissjoch und unterhalb der spektakulären Laliderer-Nordwände zum Hohljoch auf 1.794 m und weiter zu den Engalmen auf 1.227 m. Hier begann der längere Anstieg hoch zum Lamsenjoch auf 1.940 m. Am Joch angekommen wurden alle mit dem Blick auf die Lamsenjochhütte belohnt, zum Greifen nah (aber tatsächlich doch noch eine knappe Stunde entfernt). Auch war der Weg, wenn auch weitestgehend auf gleichbleibendem Niveau, an manchen Stellen etwas ausgesetzt, eine letzte Herausforderung für die beiden mit Höhenangst. Aber wie heißt es so schön, man muss sich seinen Ängsten stellen, was die beiden auch tapfer taten und stolz auf der Lamsenjochhütte ankamen. Mit 13 km, 980 hm im Anstieg und 900 hm im Abstieg eine reife Leistung. 

Am sechsten Tag hieß es dann tatsächlich schon Abschied nehmen vom Karwendelgebirge. Fast 1.100 hm ging es stetig bergab in Richtung Achensee. Aber ein Highlight wartete noch auf uns. Eine Herde Steinböcke graste, völlig unbeeindruckt von uns Bergwanderern direkt neben dem Weg. Man hätte sie tatsächlich anfassen können, so nah kamen wir an ihnen vorbei. Die Begeisterung, vor allem bei den beiden Alpenneulingen, kann man sich vorstellen. In Pertisau am Achensee endete dann unsere sechstägige Tour, zuerst mit einem Bad im Achensee, anschließend mit einem ausgiebigen Abendessen beim Dorfwirt. 

Fazit: nach 77 km, 4.100 hm im Anstieg und 4.900 hm im Abstieg, bei (fast) perfektem Bergwetter, mit unvergesslichen Erfahrungen und Eindrücken, aber auch mit der ein oder anderen kleineren Blessur und mehr als 1.000 Fotos traten die 5 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tour die Heimreise an, während ich mich auf den Weg zur nächsten Tour (siehe Dolomites UNESCO Geotrail II 2026) gemacht habe. Auf jeden Fall waren die beiden Neulinge so begeistert, dass sie sich fürs nächste Jahr wieder eine Bergtour vorgenommen haben, und die beiden mit Höhenangst haben diese nach eigenem Bekunden zwar nicht überwunden, aber doch deutlich abgeschwächt. Auf jeden Fall: Chapeau – eine tolle Leistung der fünf Teilnehmer!