Der Dolomites UNESCO Geotrail II ist weit mehr als ein 10-tägiger Fernwanderweg. Er ist eine Reise durch die Erdgeschichte der Dolomiten.
Auf rund 190 km führt er vom Bletterbach über Lavazèjoch, Latemar, Karerpass, Rosengarten, Tierser Alpl, Seiser Alm, Puez, Alta Badia, Fanes-Sennes-Prags und Plätzwiese bis zu den Drei Zinnen und nach Sexten. Dabei gilt es insgesamt ca. 12.500 hm im Anstieg und knapp 13.000 hm im Abstieg zu bewältigen.
Sein eigentliches Thema ist die Frage:
Wie wurde aus einem tropischen Meer die spektakuläre Bergwelt der Dolomiten?
Der Geotrail beantwortet diese Frage Schritt für Schritt – im wahrsten Sinne des Wortes. Genau deshalb passt er so hervorragend zum UNESCO-Welterbe: Die UNESCO schützt nicht lediglich „schöne Berge“, sondern eine weltweit außergewöhnliche Kombination aus Erdgeschichte, Geologie, Geomorphologie und Landschaft.
Was macht den Geotrail II besonders?
Der Weg unterscheidet sich von klassischen Dolomiten-Weitwanderwegen vor allem durch seine geologische Dramaturgie.
Es geht nicht nur darum: „Ich wandere zehn Tage durch schöne Berge.“ Sondern vielmehr: „Ich wandere zehn Tage durch verschiedene Kapitel der Entstehungsgeschichte der Dolomiten.“
Dabei wechseln sich völlig unterschiedliche Landschaftstypen ab:
Bletterbach → geologischer Canyon
Latemar → fossiles Atoll
Karerpass/Rosengarten → ehemalige Riffsysteme
Seiser Alm → Hochalm und vulkanisch beeinflusste Landschaft
Puez-Geisler → hochalpine Dolomit- und Karstlandschaft
Fanes-Sennes-Prags → Karst, Hochflächen und Dolomitenplateaus
Plätzwiese → Hochplateau
Drei Zinnen → spektakuläre Erosions- und Felslandschaft
Das macht den Weg geologisch ungewöhnlich abwechslungsreich.
Etappe 1 – Bletterbach → Lavazèjoch oder „Vom Land zum Meer“ – 13,8 km, 1.420 hm k, 960 hm
Der Bletterbach ist eine bis zu etwa 400 m tiefe Schlucht, die durch die Erosion der Gesteinsschichten entstanden ist. Der Canyon gehört zum UNESCO-Gebiet und gilt als eines der wichtigsten geologischen Aufschlüsse der Dolomiten.
Hier bekommen wir einen ungewöhnlich guten Einblick in die Gesteinsschichten. Anstatt die Geologie nur an einzelnen Felswänden zu sehen, durchwandern wir gewissermaßen einen aufgeschnittenen Querschnitt durch die Erdgeschichte.
Die Etappe führt uns anschließend in Richtung Weißhorn und Lavazèjoch.
Jetzt nähert wir uns einem der geologisch faszinierendsten Gebiete des gesamten Weges: dem Latemar.
Der Latemar wird von der UNESCO als besonders gutes Beispiel eines fossilen Atolls beschrieben. Die unterschiedlichen Gesteinsschichten und Strukturen erlauben es, die Entwicklung eines ehemaligen Meeresriffs nachzuvollziehen. Das bedeutet: Die markanten Felszacken des Latemar sind nicht einfach „zufällig“ entstandene Berge. Sie sind das Ergebnis einer sehr langen Geschichte, in der Riffwachstum, Ablagerung, tektonische Veränderungen und Erosion zusammenwirkten.
Ein Höhepunkt ist der Bereich rund um den Karersee mit dem Latemar im Hintergrund, allein schon wegen der unzähligen Touristen.
Diese Etappe führt mitten durch die spektakuläre Welt des Rosengartens.
Geologisch ist sie besonders interessant, weil sich hier die Struktur eines ehemaligen mitteltriassischen Riffsystems sehr anschaulich nachvollziehen lässt.
Am besten kann man diese Etappe als Wanderung durch eine ehemalige Riffwelt beschreiben: am Karerpass befindet man sich im Bereich des tieferen Meeres, am Rosengarten begegnet man der ehemaligen Riff-Flanke und bei den Vajolettürmen Strukturen aus dem Inneren der damaligen Lagune.
Das ist eine der großen Stärken des Geotrails: Die verschiedenen Felsformationen erscheinen nicht mehr als isolierte Sehenswürdigkeiten, sondern als Teile eines ehemaligen zusammenhängenden Ökosystems.
Etappe 4 – Tierser Alpl → St. Ulrich und hoch zum Außerraschötz – 25,5 km, 1.580 hm k, 1.850 hm
Nach der spektakulären Fels Welt des Rosengartens verändert sich die Landschaft deutlich. Der Weg führt auf die Seiser Alm, eine der größten Hochalmen Europas. Hier dominieren nicht mehr ausschließlich senkrechte Felswände, sondern weitläufige Almflächen, Wiesen, Weideflächen, einzelne Felsmassive und vulkanisch geprägte Gesteine. Diese Etappe ist dadurch auch landschaftlich ein wichtiger Kontrast.
Nach mehreren Tagen mit spektakulären Felswänden erleben wir die Dolomiten nun als offene Kulturlandschaft.
Etappe 5 – St. Ulrich → Puezhütte – 19,2 km, 1.570 hm k, 1.160 hm
Hier wird der Geotrail wieder deutlich alpiner. Die Strecke führt in den Bereich des Naturparks Puez-Geisler und steigt in eine hochalpine, stark verkarstete Felslandschaft auf. Ziel dieser anspruchsvollen Etappe ist die Puezhütte, sicherlich das „einfachste“ Quartier auf dem Geotrail, aber leider alternativlos.
Nun geht es durch die beeindruckende Landschaft von Alta Badia.
Die Wanderung führt weiter durch hochalpine Kalk- und Dolomitlandschaften. Charakteristisch sind helle Felsformationen, Schuttflächen, Plateaus und tief eingeschnittene Täler.
Geologisch interessant ist vor allem der Wechsel zwischen unterschiedlichen Gesteinstypen und deren unterschiedlicher Widerstandsfähigkeit gegenüber der Erosion.
Genau daraus ergibt sich ein Grundprinzip der Dolomiten:
Hartes Gestein bleibt als Wand, Turm oder Gipfel stehen – weicheres oder stärker zerklüftetes Gestein wird stärker abgetragen.
Das Ergebnis sind die extrem unterschiedlichen Formen, die heute so typisch für die Dolomiten sind.
Etappe 7 – Armentarola → Pederü → Fodara Vedla – 19,7 km, 1.385 hm k, 1.075 hm
Mit dieser Etappe gelangen wir in den Bereich des Naturparks Fanes-Sennes-Prags.
Die Landschaft verändert sich erneut. Wir wandern zunehmend durch eine Kombination aus: Hochflächen, Dolomitrücken, Karstlandschaften, tiefen Tälern, Schutt- und Erosionsformen.
Das Karstphänomen spielt hier eine wichtige Rolle. Wasser dringt in Klüfte des Kalk- und Dolomitgesteins ein, löst das Gestein teilweise auf und formt über lange Zeiträume unterirdische und oberirdische Strukturen.
Der Geotrail zeigt damit eine weitere Facette der Dolomiten: Nicht nur die spektakulären Türme sind geologisch interessant – auch die scheinbar sanften Hochflächen sind das Ergebnis komplexer geologischer Prozesse.
Etappe 8 – Fodara Vedla → Plätzwiese – 18,6 km, 1.350 hm k, 1.335 hm
Die Strecke steigt wieder deutlich in die Höhe. Die Plätzwiese ist eine weitläufige Hochfläche und bildet einen starken landschaftlichen Kontrast zu den engen Tälern.
Besonders interessant ist hier das Zusammenspiel von: Gestein + Wasser + Eis + Klima + Zeit. Die heutigen Formen wurden nicht durch einen einzelnen Prozess geschaffen. Vielmehr haben sich über Millionen Jahre verschiedene Prozesse überlagert:
Ablagerung von Sedimenten im Meer
Aufbau von Riffen
Verfestigung der Sedimente
tektonische Hebung
Zerbrechen und Verformen des Gesteins
Verwitterung
Flusserosion
Vergletscherung
erneute Erosion nach dem Abschmelzen der Gletscher
Das heutige Dolomitenpanorama ist somit das Endprodukt einer sehr langen geologischen Kette.
Die letzte Etappe führt uns von der Dreizinnenhütte hinunter nach Sexten.
Der Charakter ist vor allem vom Übergang aus der hochalpinen Felslandschaft in die tieferen Bereiche des Sextner Tals geprägt.
Damit schließt sich der Geotrail.
Aber genug über Geologie doziert, lassen wir doch zum Schluss mal die Teilnehmer zu Wort kommen:
Gaby (DAV-Sektion Mönchengladbach): „Das war nur 10 Tage wandern durch eine Fototapete“
Wolfgang (DAV-Sektion Mönchengladbach): „Zum vierten Mal nahm ich an einer mehrtägigen Tour des DAV-MG unter der Leitung von Christian Walbrunn teil. In diesem Jahr ging es zum Dolomiten-Geotrail. Die Dolomiten standen schon jahrelang auf meiner persönlichen To-Do-Liste. Ich bin seit über 40 Jahren aktiv in der Bergen unterwegs, bisher aber immer auf dem Alpennordkamm! Die Dolomiten kannte ich bisher nur von einer Busrundfahrt vor über 45 Jahren! Von daher jetzt für mich persönlich das ideale Ziel. Meine Erwartungen wurden zu 100% erfüllt, die Landschaften, Gebirgsketten und Gipfel einmalig schön. Musste aber auch die Erfahrung machen, dass eine 10-tägige Tour schon eine besondere Herausforderung an die Kondition darstellt. Dies hatte zur Folge, dass ich in der Gruppe erstmalig der Langsamste war! Ok war auch der älteste im Team. Trotzdem für mich eine neue Erfahrung, hatte täglich gehofft, mein "Diesel" muss doch mal anspringen! Alle in der Gruppe haben mich aber stets unterstützt und bestens motiviert! Das Motto war, einer muss ja der langsamste sein. So wurde der Dolomiten-Geotrail für mich ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis!“
Dominique (DAV-Sektion Gummersbach): „Für mich war es die dritte Hüttentour mit Christian, daher kannte ich einen Teil der Truppe bereits und wusste, was mich erwartet. Die Herausforderung bei dieser Tour waren dieses Mal definitiv die Streckenlänge in Verbindung mit den HM und erforderte eine wirklich sehr gute Kondition. Aber neben den sportlichen Herausforderungen waren es vor allem wieder die gemeinsamen Momente, die diese Tour unvergesslich machten: herzhaftes Lachen, sinnige und unsinnige Gespräche, kurze Pausen - bei dem Pensum war mehr nicht drin - und die Freude, gemeinsam unterwegs zu sein. So mancher kam dabei sicherlich an seine Grenzen, aber nach 10 Etappen, unzähligen Höhenmetern und Kilometern, erreichten wir alle! unser Ziel… müde, aber auch sehr glücklich. Was bleibt, sind unglaublich tolle Bilder der Dolomiten und viele lustige Erinnerungen…Hallelujah!„
Klaus (DAV-Sektion Oberland): „Da ich der neue in der Truppe war, war ich zunächst gespannt auf die Leute. Ich kannte vorher nur den Didi. Meine persönlichen Erfahrungen mit Touren, bei denen ich die Leute vorher nicht kannte, waren nicht immer 100% positiv. In diesem Fall kann ich aber sagen: Da hat alles gepasst !!!
Ich habe, so glaube ich, noch nie so viel gelacht in einem 10-Tageszeitraum wie auf der Tour mit euch. Ihr seid ein super sympathischer, lustiger und amüsanter Haufen und es war das reinste Vergnügen, mit euch zu wandern, isotonische Getränke zu vernichten und wenn auch meist kurze, aber sehr lustige Abende auf der Hütte oder im Hotel zu verbringen bei überwiegend sehr gutem Essen. Auf die Puez Hütte bringen wir nächstes Mal das Essen besser selber mit. Die Tour war superschön und abwechslungsreich und das Wetter hat uns bis auf eine Gratisdusche auch sehr viel Freude gemacht. Die Vorhersage für den Zeitraum war zuvor etwas durchwachsen. Es war wirklich alles cool. Was will man mehr?“
Dietmar (DAV-Sektion Oberland): „2 Gipfel bei 10 Tourentagen? Das klingt beim Lesen der Tourenbeschreibung für einen leidenschaftlichen Gipfelsammler erstmal extrem mau - trotz langer Tourentage und ordentlich Höhenmeter. Wenn man die Dolomiten eigentlich nicht wirklich kennt, dann liest sich das Ganze schon sehr viel interessanter. Und wenn man diese Tour dann innerhalb weniger Jahre gleich 2mal absolviert, dann sagt das eigentlich alles darüber aus, welch grandiose Bergerlebnisse und abwechslungsreiche Landschaften in diesen Tagen geboten werden. Tolles Wetter und vor allem wunderbare (Berg)Freunde waren natürlich das i-Tüpfelchen dieser erlebnisreichen und für mich nachhaltigen und sogar lehrreichen Bergtage - lehrreich aufgrund der Erkenntnis: es muss tatsächlich nicht immer ein Gipfel sein, man kann auch mal daran vorbeilaufen... und es ist trotzdem wunderschön, oder gerade deshalb?“
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