Ende Mai 2024 war es in ganz Deutschland ziemlich regnerisch. In der Vorwoche unserer Wandertage führte andauernder Regen unweit vom Zielort, im Saarland zu heftigen Überschwemmungen und in den Wochen danach wurde im Süden Deutschlands der Notstand ausgerufen. Wir hatten wohl großes Glück. Nur wenige Male packten wir Regenschirme und Regenjacken aus und kurze Zeit später wieder ein. Zwar waren die Wanderwege stellenweise matschig. Sie wissen schon, die Wegböschung – nennt man das so? - wurde noch kurviger getrampelt. Niemand wollte mit dem Matsch auf Tuchfühlung gehen. Darin waren auch alle erfolgreich – oder habe ich etwas übersehen?
Nicht zu übersehen waren indessen die vielen leuchtenden orangefarbenen Nacktschnecken. Einige waren auch schwarz, davon haben wir weniger gesehen. Vielleicht lag es an der Tarnfarbe, die sie auf den schmalen Waldwegen fast unsichtbar machte. Einige Hobbygärtner unter uns ließen sich zu Gewaltphantasien hinreißen. Die erspare ich ihnen, aber fragen sie mal einen aus dieser Spezies. Ich sag nur, so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie. Bis hin zur Jahrhundertplage. Wobei das Attribut “Jahrhundert“ in diesen späten Frühlingstagen 2024 leider häufiger im Zusammenhang mit den Hochwassern zu hören war.
Was mir unterwegs besonders aufgefallen ist? Überall war Sandstein und nicht nur Felsblöcke. Nein, überall in der Landschaft ragten riesige Sandsteinungetüme auf, es war eine Sandsteinlandschaft, manchmal mit schmalen Spalten, durch die wir Wanderer uns samt Rucksack gerade noch durchdrücken konnten. Gut, wer einen grünen Rucksack umgeschnallt hatte, denn die Steine waren meist bemoost. Aber auch Wanderer mit braunem Rucksack kamen auf ihre Kosten, wenn dieser abriebfest war. „Belle vue“ hieß es, wenn wir uns nach oben auf Felsblöcke wagten.
Nicht alle Wanderer in dieser Gegend habe ich verstanden, die meisten lächelten freundlich, wenn sie uns passierten. Wanderer mit Hunden redeten mehr mit ihren Hunden als mit uns.
Zu manchem Startpunkt unserer Wanderung fuhren wir mit dem Bus. Wollte man aussteigen, drückte man wie bei uns ein Knöpfchen und es erschien für alle im Bus: „De Bus hält“. Den weiteren Weg und Rücktransport nahmen wir dann in die eigenen Beine. Die Busfahrten waren umsonst bzw. „gratuit“. Die Busfahrer waren eher gelassen, mussten auch keine Fahrkarten prüfen oder verkaufen. Durchwinken wünsche ich mir auch in Deutschland.
Eine Zahl hörte ich mehrmals täglich. Kam die gesuchte Zahl zusammen, entspannte sich die Miene des Zählenden. In so manchem Felsenlabyrinth gab es Abzweigungen, und nicht immer bogen alle in dieselbe Richtung ab. Wie durch ein Wunder – oder lag es an den erfahrenen Wanderern selbst? - verfiel keiner in Panik, wenn die 16 nicht erreicht wurde.
Dann wurde die Gelegenheit zur Trinkpause ergriffen und meist war auch noch was vom Lunchpaket übrig. Essen gab es immer genug, doch davon später mehr. Am Ende der Pause war wundersamerweise die magische 16 wieder erreicht.
Ein Abenteuer war auch die Unterkunft. Jedes Zimmer hatte mindestens zwei Betten. Aber nicht nebeneinander, sondern eines über dem anderen. In das obere Bett kam man nur über eine Leiter, vielleicht war da oben eine schönere Aussicht? Ich entschied mich für das untere. Nach einigen Verrenkungen kam ich auch zum Liegen. Zum Aussteigen aus der Koje war es hilfreich, sich an die Leiter und die beschränkte Kopffreiheit zu erinnern, bevor diese schmerzhaft in Erinnerung gerufen wurde.
Zu essen gab es immer genug. Einmal so viel, dass keiner mehr an die sogenannten Bratwürste ran wollte. Diese waren nur mit voller Kraft mit der Gabel zu packen. Dann in der Taktik bleiben und das Messer kraftvoll säbelnd einsetzen und nicht nachgeben. Hatte man das soweit geschafft und mindestens eben so viel Senf hinzugefügt und in den Mund bugsiert, braucht man viel Geduld, um weitere Zerkleinerungsarbeit zu leisten. Meist blieb ein großer Rest der Bratwurst auf dem Teller. Wie gesagt, es gab immer genug und an diesem Abend neidvolle Blicke zu den Vegetariern.
Es gäbe noch weiteres zu berichten von unseren Wanderungen im Mullertal von Bollendorf aus. Doch am besten fragt ihr Gerd Hein, wo genau wir denn nun waren.
Vielen Dank an Gerd von 15 der magischen 16. Am Abend des ersten Tages hieß es noch von ihm: „Es gab keine Klagen, alle waren zufrieden“. In den folgenden Tagen steigerte sich unsere Zufriedenheit deutlich.
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