Die Von der Halle in den Fels

von Ismail Lorenz


07:00 Uhr: Am Treffpunkt angekommen, breitete sich die Vorfreude aus. Unser erster Ausflug mit der DAV-Sektion fühlte sich ein wenig wie eine Klassenfahrt mit Freunden an.

Auf der Fahrt nach Yvoir verflog die Zeit extrem schnell. Wir alle waren so sehr damit beschäftigt, uns über unser gemeinsames Hobby zu unterhalten und zu philosophieren, wie schön der Klettersport doch ist, dass wir jegliches Gefühl für die Zeit verloren.
Unter anderem sprachen wir über unsere Erlebnisse beim Klettern, unsere Ängste, unsere Ziele und natürlich die Dinge, die uns beim Klettern am meisten begeistern.

Bei der Fahrt durch die kleinen Dörfer in Belgien, waren wir überrascht, welche Schönheit sich in unserer Nachbarschaft befindet. Die kleinen Steinhäuser strahlten einen Flair aus, der einen zum Träumen einlud. Alleine diese Aussicht war es schon wert sich diesem Ausflug anzuschließen. Nach der Fahrt durch einige dieser Dörfer kamen wir an unserem Ziel an. Das Auto geparkt, die Ausrüstung bereit, machten wir uns auf den kurzen Weg zum Fels.

Die Location ist schon etwas besonderes. Der Weg zum Fels besteht darin, einen sehr kleinen Tunnel zu durchqueren, um dann an einem Zaun, den Bahngleisen entlang, zum Ausgangspunkt unseres Klettervergnügens zu gelangen.
Nachdem wir unser Lager aufgeschlagen und uns in Seilschafen aufgeteilt hatten, gingen wir an den Fels. Man zeigte uns die restlichen Basics, um sicher und auf eigene Faust Mehrseillängen klettern zu können. Das Training war sehr aufschlussreich. Wir lernten viele wichtige Verhaltensweisen und Handgriffe. Wie wir richtig mit dem Halbmastwurf sichern und warum dieser für alpines Gelände bestens geeignet ist. Wir sind zum ersten mal mit zwei Halbseilen geklettert und lernten die nützlichen Seilkommandos. Dieses „Training" war super und hat viel Spaß gemacht, weil es wie eine freundschaftliche Zusammenkunft Gleichgesinnter war. Nachdem wir die Basics absolviert hatten, gingen wir in einer Dreierseilschaft zu ersten Route, einer schönen gemütlichen Route im dritten Grad. Die Route war nicht sonderlich schwer, dafür aber perfekt geeignet, um unsere neu erlernten Fähigkeiten zu festigen. Oben angelangt, genossen wir die wunderschöne Aussicht auf die Maas bevor wir uns wieder abseilten.

Wo wir gerade beim Abseilen sind: Im späteren Tagesverlauf kletterten wir an der „Nadel". Wir hatten nicht berücksichtigt, dass drei Routen im oberen Bereich zusammenlaufen und befanden uns daraufhin zu 8 in einer Route. Das Besondere an der „Nadel" ist das Abseilen auf der anderen Seite des Felsens. Dort baumelt man erst mal einige Meter im Freien, bevor man wieder festen Boden unter den Füßen hat. Das war ein Erlebnis für sich. Ich kam mir vor, wie in einem James Bond Film. Ohne die Füße an einer Wand abstützen zu können, hingen wir frei in der Luft, nur an unseren beiden Halbseilen. Wir „die Unerfahreneren" mussten über unseren Schatten springen um diese überragende Erfahrung machen zu können. Ich bin als erster runter. Den Kopf komplett frei von jeglichen Gedanken genoss ich den Moment. Unten angekommen, rannte ich los, um mein Handy zu holen. Ich dachte mir, wenn ich schnell genug bin, schaffe ich es, jeden aus unserer Seilschaft beim Abseilen fotografieren zu können. Gut, mein Handy hatte ich jetzt. Nun musste ich nur noch eine gute Position finden, um möglichst tolle Fotos schießen zu können. Als ich die Fotos der anderen schoss, fragte ich mich, ob ich auch so cool ausgesehen habe als ich mich abseilte. Angestrengt von der Kletterei und überwältigt von den vielen neuen Eindrücken machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu unserer Unterkunft.

Die Unterkunft lag an einem sehr idyllischem Feld. Bei einem kühlen Radler und schönen Gesprächen ließen wir den Tag mit Aussicht auf den Sonnenuntergang ausklingen.

Am zweiten Tag hieß es früh aufstehen, frühstücken und schnell wieder an den Fels, um den Tag möglichst gut auszunutzen. Am Fels angekommen suchten wir wieder unser Lager auf, und teilten uns erneut in Seilschaften auf. Dieses mal waren wir nur zu zweit. Wir überlegten uns, ob wir an dem Tag lieber Mehrseillänge oder Sportklettern wollen. Entschieden haben wir uns zum Sportklettern. Im Bereich Rocher du Tunnel fanden wir drei interessante Routen, an denen wir uns ausprobieren wollten. Diese waren für unsere Verhältnisse schon anspruchsvoll. Nachdem wir die Routen bezwungen haben, waren wir am Ende unserer Kräfte. Als wir in unserem Lager angekommen sind, waren alle schon in Aufbruchstimmung. Nachdem wir alles wieder eingepackt und aufgeräumt haben, machten wir uns auf den Weg zum Auto. Auf er Rückfahrt merkte man jedem einzelnen von uns an, das wir unseren Spaß hatten, aber den Anstrengungen entsprechend müde waren.

Wir freuen wir uns schon auf den nächsten Ausflug mit der Sektion und finden es klasse Teil einer so netten Gruppe geworden zu sein.





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